
Am Rande von Berlin-Wilhelmshagen, unweit des Großen Müggelsees, führt Katja Piesker ihre Zahnarztpraxis. Aus der Hauptstadt pendelt sie täglich in das grüne Wohngebiet, wo sie ihre Praxis in Holzbauweise neu errichtet hat. Gemeinsam mit Plandent ist eine Familienpraxis auf zwei Etagen mit rund 200 Quadratmetern entstanden. Mit dem Umzug innerhalb derselben Straße ging es von der kleinen Mietfläche ins Eigentum. Warum sie sich ursprünglich nie selbstständig machen wollte und wie sie heute ihre Praxis gestaltet, verrät die Zahnärztin im Interview.
Frau Piesker, Sie haben sich bewusst Zeit gelassen mit der Selbstständigkeit. Warum?
Lange Zeit hatte ich keinen ausgeprägten Wunsch nach einer eigenen Praxis. Mein Einstieg in die Zahnmedizin verlief ohnehin nicht geradlinig: Zunächst habe ich eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolviert und mich erst später für das Studium entschieden. Nach meinem Examen bin ich ganz selbstverständlich in die Anstellung gegangen und habe dort wertvolle Erfahrungen gesammelt.
Das hat für mich über Jahre gut funktioniert. Ich habe gern gearbeitet und unterschiedliche Praxisabläufe kennengelernt. Irgendwann habe ich jedoch gemerkt, dass sich bestimmte Strukturen und Konflikte immer wieder wiederholen. Meine Entscheidung für die Selbstständigkeit war daher weniger ein Karriereziel als vielmehr der Wunsch nach mehr Gestaltungsspielraum, um meine eigenen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Wie kam es zur Übernahme Ihrer ersten eigenen Praxis?
Das war eine Bauchentscheidung: Eine Freundin hatte mir den Kontakt zu Plandent vermittelt, konkret zu Frau Niedner. Bei ihr hatte ich ein Existenzgründungsseminar besucht, ohne zu diesem Zeitpunkt konkrete Gründungsabsichten zu haben. Als am Rande von Berlin, in einem ruhigen Wohngebiet, eine Praxis zum Verkauf stand, haben wir sie uns gemeinsam angeschaut.
Von außen war ich zunächst skeptisch. Als ich die Räume betrat, hatte ich jedoch schnell das Gefühl, dass dieser Ort zu mir passen könnte. Wenn ich zu lange darüber nachdenke, verliere ich an Klarheit. Also habe ich mich intuitiv darauf eingelassen – und es war die richtige Entscheidung.
Warum war Ihnen der Standort so wichtig?
Ich arbeite gern dort, wo es entspannter und persönlicher zugeht. In Wohngebieten kennt man sich, die Patienten sind sehr treu. Oft kommen ganze Familien – vom Kind bis zu den Großeltern. Diese langfristige Bindung ist für mich ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit.
Trotz der ruhigen Lage ist der Standort gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, was sowohl für Patienten als auch für mein Team wichtig ist. Außerdem wollte ich nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu zahlreichen anderen Praxen stehen.
Warum reifte dann der Wunsch nach weiterer Veränderung?
Nach zwölf Jahren war die Praxis schlicht zu klein geworden: zwei Behandlungszimmer, kaum Platz für Prophylaxe, eingeschränkte Personalräume. Hinzu kam die Lage im Obergeschoss. Mit zunehmendem Alter vieler Patientinnen und Patienten wurde die Treppe zum Hindernis und ich habe immer mehr Hausbesuche gemacht.
Auch energetisch hatte das Gebäude Defizite: Es war schlecht gedämmt, im Winter kalt, und ich habe mich dort mit der Zeit zunehmend unwohlgefühlt. Eine grundlegende Veränderung war notwendig.
Geplant war zunächst ein Umbau. Warum wurde daraus ein Neubau?
Ein Dachausbau scheiterte an Eigentümerkonstellationen. Somit habe ich begonnen, nach Alternativen zu suchen, möglichst in der Nähe des bisherigen Standorts. Diese Suche gestaltete sich jedoch äußerst schwierig. Der entscheidende Impuls kam schließlich über einen Patienten: Er bot mir ein Grundstück in derselben Straße an. Dass wir nahezu am gleichen Standort bleiben konnten, war ein enormer Vorteil – sowohl für meine Patienten als auch für mein Praxisteam.
Der Weg zur Baugenehmigung gilt häufig als größte Hürde bei Neubauten. Wie haben Sie diese Phase erlebt?
Der Genehmigungsprozess war langwierig und teilweise frustrierend. Zunächst hieß es, in zweiter Reihe dürfe nicht gebaut werden. Erst durch beharrliche Kommunikation wurde der Neubau schließlich genehmigt – mit der Auflage, eine Wohnung im Dachgeschoss zu integrieren. Insgesamt zog sich der Prozess über mehr als zwei Jahre. Das war sehr anstrengend – vor allem, da der Praxisalltag parallel weiterlief. Weiterzuarbeiten und nicht zu viel zu grübeln haben mir in dieser Zeit geholfen, trotzdem dranzubleiben.
Warum haben Sie sich für einen Neubau in Holzbauweise entschieden?
Auch das war ein Bauchgefühl: Ich wusste einfach, dass es ein Holzhaus werden sollte. Zudem war mir nachhaltiges und energetisch sinnvolles Bauen wichtig. Holz schafft ein angenehmes Raumklima, wirkt warm, ruhig und natürlich und trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei – für Patienten wie auch Personal. Die Fassade besteht aus nordischer Fichte, die mit Eisenoxid behandelt wurde und daher keinen zusätzlichen Anstrich benötigt.
Auch der Bauprozess selbst hat mich überzeugt: Innerhalb weniger Wochen stand das Gebäude. Der energetische Unterschied ist enorm: Mit Wärmepumpe und Deckenheizung haben wir den ersten Winter seit vielen Jahren erlebt, in dem wir nicht gefroren haben.

Natürliche Materialien, moderne Zahnmedizin – die Praxis im Holzhaus als Wohlfühlort für Patienten und Team
Wann begann die konkrete Praxisplanung?
Sehr früh. Neben der Architektin habe ich von Anfang an auf eine professionelle Praxisplanung gesetzt. Mit Plandent hatte ich bereits bei meiner ersten Praxis gute Erfahrungen gemacht: Frau Niedner blieb nach der ersten Gründung meine Fachberaterin und auch mit Praxisplanerin Kosima Bühring hatte ich in der Bestandspraxis schon zusammengearbeitet. Daher habe ich mich auch für die Planung der neuen Praxis bewusst wieder an Plandent gewandt.
Grundriss, Installationsplanung, Beleuchtung, Möblierung, Technik, Röntgen und die gesamte IT inklusive Hard- und Software wurden detailliert geplant, damit alles perfekt ineinandergreift. Gerade bei einem Holzbau ist eine vorausschauende Planung entscheidend, da viele Leitungen im Ständerwerk verlaufen.
Welche Rolle spielte Plandent im Projekt?
Plandent war mein zentraler Ansprechpartner für alle praxisrelevanten Fragen. Es ging nicht um einzelne Produkte, sondern um ein stimmiges Gesamtkonzept: Praxisaufbau, technische Anforderungen, das Erfüllen zahlreicher Vorschriften und die digitale Infrastruktur.
Besonders wertvoll war dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Frau Niedner und Frau Bühring – sie haben mich fachlich, aber auch mental sehr unterstützt. Das Team von Plandent hat zudem eine wichtige Rolle in der Baubegleitung übernommen und dafür gesorgt, dass alle Fäden zusammenliefen. Insbesondere in der Umzugsphase wurde deutlich, wie wichtig ein verlässlicher und erfahrener Partner ist, der auch unter Zeitdruck pragmatisch Lösungen findet.
Ein großes Bauprojekt steht und fällt mit der Zusammenarbeit der Gewerke. Wie haben Sie das erlebt?
Die Kommunikation zwischen sämtlichen Beteiligten war aus meiner Sicht ein entscheidender Erfolgsfaktor. Mir war es wichtig, mit Handwerkern aus der Region zu arbeiten. Fast alle Gewerke kamen aus der Umgebung, nur der Holzbau selbst wurde von einem Betrieb aus meiner Heimat in der Lausitz umgesetzt.
Wir haben bewusst gemeinsame Besprechungen mit Elektrikern, Sanitärbetrieben, Holzbauern und der Praxisplanung durchgeführt, damit immer alle Projektpartner auf dem gleichen Stand waren. Dieses Miteinander hat Missverständnisse reduziert und dafür gesorgt, dass alles wie geplant läuft.
Wie ist die neue Praxis heute strukturiert?
Alle patientenbezogenen Bereiche – Empfang, Wartebereich und Behandlungsräume – liegen ebenerdig und sind barrierefrei zugänglich. Die internen Bereiche wie Büro, Personalräume und Lagerflächen befinden sich im Obergeschoss. Die räumliche Trennung sorgt für klare Abläufe und bringt Ruhe in unseren Arbeitsalltag.
Oben habe ich mir auch Rückzugsräume geschaffen, inklusive großem Büro mit Couch – ein Komfort, den ich gerade in intensiven Phasen sehr zu schätzen weiß. Ich finde es wichtig, nicht dort zu wohnen, wo man arbeitet, aber dennoch die Möglichkeit zu haben, sich vor Ort zu erholen.

Der barrierefreie Empfangsbereich – klar strukturiert, ruhig und einladend gestaltet
Die Gestaltung Ihrer Praxis ist sehr individuell. Warum war Ihnen das so wichtig?
Weil Atmosphäre wirkt. Viele Menschen kommen mit Angst oder Anspannung zum Zahnarzt. Eine angenehme, warme Umgebung kann hier viel bewirken. Ich wollte bewusst keine sterile Praxis schaffen, sondern einen Ort, der heimelig wirkt.
Privat beschäftige ich mich unglaublich gerne mit Einrichtung und Gestaltung. Daher stammen viele Ideen von mir selbst. Nichts sollte beliebig wirken: Selbst funktionale Bereiche wie die barrierefreie Toilette sollten freundlich und einladend gestaltet sein. Auch ungewöhnliche Lösungen wie Deckentapeten in den Behandlungsräumen habe ich bewusst umgesetzt. Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen hier wohlfühlen.
Wie sind Sie bei der Einrichtung und technischen Ausstattung vorgegangen?
Gezielt und mit Blick auf die Zukunft – aber auch mit dem Anspruch, nachhaltig zu handeln. Neue Behandlungseinheiten, integrierte Röntgentechnik und eine stabile digitale Infrastruktur waren für mich essenziell. Gerade hier war die Unterstützung durch Plandent enorm wichtig. Ich musste mich nicht selbst in jedes Detail einarbeiten, sondern konnte mich auf fundierte Erfahrung und klare Empfehlungen verlassen.
Gleichzeitig habe ich bewusst vieles behalten, zum Beispiel Behandlungszeilen, die erst wenige Jahre alt waren, eine bestehende Einheit und den Steri. Auch der Empfangstresen wurde aus der alten Praxis übernommen und farblich neugestaltet. Mit seiner organischen Form greift er die halbrunden Wände der neuen Praxis stimmig auf.
Zwar hätte ich alles neu anschaffen können – aber das entspricht weder meinem Stil noch meinem Verständnis von Nachhaltigkeit. Auch bestehende Elemente lassen sich neu inszenieren und an ein neues Raumkonzept anpassen. Das spart Ressourcen und Budget – und wirkt trotzdem hochwertig.

Neue Behandlungseinheit und durchdachte digitale Ausstattung – modern geplant und bewusst nachhaltig umgesetzt
Mit welchem Gefühl sind Sie in der neuen Praxis gestartet?
Nach den drei intensiven Jahren war ich zunächst erschöpft. Gleichzeitig war ich sehr glücklich, endlich in einer Praxis zu stehen, die meinen Vorstellungen entspricht. Es hat eine gewisse Zeit gebraucht, bis ich das wirklich genießen konnte.
Seit sich alle Abläufe eingespielt haben, fühle ich mich angekommen. Die positive Resonanz meiner Patientinnen und Patienten bestätigt mich darin, den richtigen Weg gegangen zu sein. Das ist mein Lohn für all die Anstrengungen: zufriedene Patienten, die sich wohlfühlen.
Mittlerweile kann ich mir kaum vorstellen, wieder angestellt zu arbeiten. Natürlich bringt die Selbstständigkeit Verantwortung, Bürokratie und Stress mit sich. Aber sie bietet auch enorme Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten. Ich arbeite gerne und empfinde die Selbständigkeit als sehr bereichernd.
Wie soll sich die Praxis weiterentwickeln?
Die Praxis ist mit drei Behandlungszimmern bewusst größer konzipiert, als sie aktuell genutzt wird. Perspektivisch wünsche ich mir die Zusammenarbeit mit einem weiteren Behandler – allerdings nur, wenn es fachlich und menschlich passt. Auch das wird eine Bauchentscheidung werden. Beständigkeit und ein gutes Miteinander sind mir wichtiger als schnelles Wachstum.
Welchen Rat geben Sie Kolleginnen und Kollegen, die über Gründung, Umbau oder Neubau nachdenken?
Nicht zu lange zögern und auf das Bauchgefühl hören – aber sich gut vorbereiten. Eine gründliche Planung nimmt viel Unsicherheit. Ebenso wichtig ist es, sich ehrlich zu fragen, wie, wo und mit wem man arbeiten möchte.
Der Wunsch nach einer guten Work-Life-Balance ist absolut berechtigt. Selbstständigkeit und ein ausgewogenes Arbeitsleben schließen sich jedoch nicht aus. Mit klaren Konzepten – etwa gemeinsamer Praxisführung, geteilten Zuständigkeiten oder versetzten Arbeitszeiten – lassen sich Verantwortung und Belastung sinnvoll verteilen.
Auch beim Thema Einrichtung und Budget möchte ich Mut machen: Eine moderne, hochwertige Praxis entsteht nicht zwangsläufig durch maximale Investitionen. Mit guter Planung und etwas Kreativität lassen sich bestehende Elemente mit überschaubarem Aufwand integrieren. Wenn Konzept und Struktur stimmen, entstehen Spielräume – auch bei begrenztem Budget.
Eine Praxis entsteht nicht aus dem Katalog heraus, sondern aus klaren Entscheidungen und verlässlichen Partnerschaften. Sie ist ein Projekt für Jahrzehnte – und sollte sich richtig anfühlen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Text: Maria Reitzki
Bilder: Walter Plagge