14.04.2026

Wie eine Großpraxis im persönlichen Format

Interview: Dr. Gabriele Lankes & Dr. Marc-André Winter

Während ihrer gemeinsamen Tätigkeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum fassten Dr. Gabriele Lankes und Dr. Marc-André Winter den Entschluss, selbst eine Praxis zu gründen. Die Idee: Im Stile einer Großpraxis ein breites Spektrum der Zahnmedizin anbieten, aber auf persönlicher Ebene und individuell. Gemeinsam mit Plandent gelang der Schritt in die Selbstständigkeit mit Wohlfühlfaktor.

Herr Dr. Winter, Sie haben im April 2025 Ihre neue Praxis in Ulm eröffnet. Welche Überlegungen gingen der Gründung voraus?

Dr. Marc-André Winter: Für uns beide war klar, dass wir uns selbstständig machen wollen. Es war uns wichtig, selbst entscheiden zu können und unsere eigenen Chefs zu sein. Zuvor waren wir in einem Medizinischen Versorgungszentrum tätig, ebenfalls in Ulm, und dort haben wir uns auch kennengelernt. Dieser Hintergrund mag etwas dazu beigetragen haben, dass wir bei betriebswirtschaftlichen Themen vielleicht etwas stärker geprägt sind als Kolleginnen und Kollegen aus einer Einzelpraxis. Unsere Vorüberlegung war entsprechend klar: Die Praxis muss etwas Besonderes werden! Denn in Ulm ist die Zahnarztdichte hoch, und abgesehen von wenigen Investorenketten gibt es hier kaum Neugründungen. In diesem Umfeld würde es nicht funktionieren, eine Standardpraxis zu eröffnen. Es musste etwas Frisches, etwas Innovatives sein, was die Patienten wirklich begeistert – sowohl in puncto Gestaltung als auch mit Blick auf den Umgang mit den Patienten.

Und welchen Ansatz haben Sie dabei im Detail verfolgt?

Dr. Marc-André Winter: In unserer Zeit im MVZ konnten wir viel über ein breites Spektrum von Behandlungen lernen. Das schließt unter anderem Erfahrungen mit Vollnarkosebehandlungen, größeren Arbeiten wie beispielsweise umfangreichen implantologischen Eingriffen oder Komplettsanierungen mit ein. Denn in einem MVZ oder einer Klinik werden Patienten in der Regel von Anfang bis Ende behandelt, mehr als in einer Einzelpraxis. Wir wollten diesen Ansatz mit einem breiten Behandlungsspektrum und wenigen Überweisungen in ein persönlicheres Format bringen: alles aus einer Hand, aber nicht klinisch steril, dafür persönlich und mit besonderem Augenmerk auf den Wohlfühlfaktor.

Frau Dr. Lankes, wie haben Sie sich auf dem Weg dorthin der Planung Ihrer eigenen Praxis angenähert? Wie kam es hier zur Zusammenarbeit mit Plandent?

Dr. Gabriele Lankes: Zunächst haben wir viele Gespräche mit selbstständigen Kolleginnen und Kollegen geführt, um mehr über ihren Gründungsprozess herauszufinden. Dabei war auch ein Freund, der sich in Augsburg selbstständig gemacht hat – und zwar mit Unterstützung von Plandent. Er berichtete uns von seinen positiven Erfahrungen und stellte den Kontakt her. Diese Referenz war für uns ausschlaggebend. Schließlich hat man selbst kaum Vergleichsmöglichkeiten, weil man eine Gründung ja nicht so oft macht. Woher soll man also wissen, welchem der vielen möglichen Partner man wirklich vertrauen kann? Die Kollegenempfehlung hat klar für Plandent gesprochen, und wir haben uns hier auch stets gut beraten gefühlt. Als besonders gewinnbringend haben wir empfunden, dass wir zusätzlich zu unserem Plandent-Praxisplaner Sven Spitthoff auch von zwei Vertriebsmitarbeitern des Unternehmens begleitet wurden. Dirk Taube, ein ‚alter Hase‘ mit immensem Erfahrungsschatz, und sein jüngerer Kollege Adrian Frade-Santos mit seinem Engagement und frischen Ideen haben uns von Anfang an sehr geholfen. Dazu gehörten unter anderem auch gemeinsame Besuche bei verschiedenen Herstellern von dentalen Geräten und Instrumenten. So waren wir beispielsweise bei KaVo und Dentsply Sirona zu Gast und hatten die Gelegenheit, verschiedene Behandlungseinheiten vor Ort und mit Erläuterungen aus erster Hand kennenzulernen. Das Schöne dabei: Durch den Blick hinter die Kulissen konnten wir treffsichere Entscheidungen für verschiedene Einzelprodukte treffen. Gleichzeitig behielten wir durch die umfassende Beratung von Plandent immer eine ganzheitliche Perspektive auf unsere Praxis.

Wie haben Sie die passende Immobilie gefunden?

Dr. Gabriele Lankes: Gemeinsam mit Plandent haben wir insgesamt fünf Räumlichkeiten besichtigt. Da wurde uns schnell klar, warum man hier professionelle Unterstützung braucht. Denn bei den Besichtigungen fielen einige Begriffe, die man so noch nicht gehört hatte. Zudem wurden Fragen gestellt, die wir so gar nicht auf dem Schirm gehabt hätten: Wie es sich beispielsweise mit den verschiedenen Anschlüssen verhält oder über welche Eigenschaften die Kellerräume verfügen sollten. Hier merkte man einfach, dass die Planer von Plandent einen ganz anderen Blick auf eine Immobilie haben, als man es als Behandler hat. Gleichzeitig waren sie bereits über unsere Vorstellungen im Bilde und konnten so einschätzen, welche Immobilie das passende Potenzial für uns bietet. Letztendlich haben wir dieses Potenzial dann in einem Neubau in guter Lage in der Ulmer Weststadt identifiziert und uns für diese Räumlichkeiten entschieden.

Dr. Marc-André Winter: Wir sind hier noch in der Rohbauphase eingestiegen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal der Estrich verlegt, es standen nur die tragenden Wände. Es war aber bereits klar, dass wir zwei getrennt geplante Einheiten zusammenlegen müssen. Der notwendige Durchbruch konnte aus statischen Gründen nur an einer Stelle gemacht werden.

Wie sind Sie mit dieser baulichen Herausforderung umgegangen?

Dr. Marc-André Winter: Zunächst fühlt man sich in seiner Planungsfreiheit schon ein bisschen limitiert. Mit der richtigen Idee entsteht am Ende aber ein bauliches Detail, das seinen Teil zum Charakter der Praxis beiträgt. Dazu muss man wissen, dass der rechte Trakt etwas niedriger liegt als der linke. Aus diesem Grund haben wir den Durchbruch mit einer Rampe versehen. In Kombination mit den unterschiedlichen Raumhöhen bringt das eine gewisse Dynamik in die Architektur der Praxis.

Dr. Gabriele Lankes: Darüber hinaus haben wir diese architektonische Besonderheit zum Anlass genommen, um die Räumlichkeiten auch ihrer Funktion nach aufzuteilen. Im rechten Trakt sind Behandlungszimmer, Steri und Labor untergebracht, während sich im linken Teil primär der Warte- und Personalbereich befinden.

Damit sind wir nun bei konkreten gestalterischen Maßnahmen angekommen. Lassen Sie uns daher noch einmal auf Ihre Vision vom breiten Behandlungsspektrum in persönlicherem Format zurückkommen. Wie haben Sie diese Vorstellung realisiert?

Dr. Gabriele Lankes: Die Atmosphäre in der Praxis spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Uns war es wichtig, nicht im sterilen Zahnarzt-Weiß aufzutreten, sondern die Patienten mit einer warmen Ästhetik zu begrüßen. Entsprechend haben wir viel auf warme Erdtöne gesetzt, dafür auf grelle Farben verzichtet – für eine zeitlos elegante Optik. Um eine gewisse Wohnzimmeratmosphäre zu schaffen, haben wir im Warte- und Empfangsbereich verschiedene Oberflächenfarben und ‑beschaffenheiten kombiniert und zudem auf einen textilen Raumteiler gesetzt. Zusammen mit verschiedenen Pflanzen und einem kleinen Bäumchen haben wir so eine luftige Wohlfühloase geschaffen. Dabei legen wir auch großen Wert darauf, wöchentlich frische Blumen anliefern zu lassen. Zusätzlich haben wir das Duftdesign in den Blick genommen, das ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Duftstäbchen und Raumspray sorgen in der gesamten Praxis für einen angenehmen Geruch.

Wartebereich WiLa Dental

Wohnzimmer-Feeling im Wartezimmer: Mit warmen Erdtönen und einer zeitlos eleganten Optik bewegt sich das Design ganz bewusst fernab vom sterilen Zahnarzt-Weiß

Es bleibt also nicht bei der Optik allein …

Dr. Marc-André Winter: Richtig! Unser Ansatz erstreckt sich über mehrere Ebenen. Ein zentrales Thema für uns war dabei von Beginn an der Umgang mit den Patienten. Und an diesem Punkt kommen dann interessanterweise doch immer wieder die Gestaltung und die Ausstattung der Praxis ins Spiel. So wollten wir beispielsweise weg davon, mit den Patienten ausschließlich im Behandlungsstuhl zu sprechen. Stattdessen haben wir ein Besprechungszimmer eingerichtet, in dem man sich besser auf Augenhöhe unterhalten kann. Insbesondere die Neupatienten nehmen wir hier erst einmal auf und lernen sie kennen. Auf diese Weise kann man sich besser Zeit nehmen, die Patienten wirklich zu verstehen – und sie haben nicht das Gefühl, im Behandlungszimmer mit ein paar schnellen Worten abgespeist zu werden.

Besprechungszimmer WiLa Dental

Begegnung auf Augenhöhe: Beim persönlichen Austausch im Besprechungszimmer fühlen sich Patienten mit ihren Anliegen wertgeschätzt und verstanden

Neben der Praxisgestaltung sprachen Sie gerade auch die Ausstattung an. Welche Rolle spielt sie in diesem Zusammenhang?

Dr. Marc-André Winter: Das fängt bereits bei Aufklärung und Anamnese an. Statt die Patienten hier mit Papierkram zu überhäufen, arbeiten wir viel digital, zum Beispiel mit Videos auf Tablets. Ein weiteres Beispiel ist die Abdrucknahme. Auf klassische Weise wird das bei uns kaum noch gemacht. In 95 Prozent der Fälle sind unsere Abdrücke digital. Gerade für Patienten mit Würgereiz ist das ein Punkt, an dem sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Hinzu kommt, dass wir mit dem Intraoralscanner viel besser planen und visualisieren können. Das ist erneut eine Gelegenheit, um die Patienten besser in ihre Behandlung einzubeziehen. Außerdem können wir so im Labor weitgehend digital und ohne Gips arbeiten. Das produziert weniger Abfälle und nimmt weniger Lagerplatz in Anspruch.

Dr. Gabriele Lankes: Darüber hinaus verkürzt der digitale Abdruck die Behandlungszeit, das ist nicht zu vernachlässigen. Denn selbstverständlich gehört es zum Konzept einer Wohlfühlpraxis, die Zeit auf dem Stuhl kurz zu halten, Abläufe zu optimieren und Wartezeiten zu reduzieren. Aus diesem Grund haben wir zusätzlich zu unserem 3D-Röntgengerät von Planmeca in jedem unserer drei Behandlungszimmer ein Kleinröntgengerät direkt an der Behandlungseinheit.

Planmeca Viso G3

Für eine Kombination aus erstklassiger Bildqualität und besonderer Benutzerfreundlichkeit sorgt das 3D-Bildgebungsgerät Planmeca Viso G3

Längst nicht jede Optimierung von Praxisabläufen ist für Patienten direkt sichtbar. Welche „versteckten Helfer“ sind Ihre Favoriten im Praxisalltag?

Dr. Marc-André Winter: An diesem Punkt muss wohl unser Steri-Bereich genannt werden. Der ist im rechten Trakt unserer Praxis zentral gelegen und beschleunigt unsere Arbeitsabläufe ungemein. Denn hier sind Durchreicheschränke verbaut. Sie werden von innen befüllt und von der anderen Seite, also vom Gang aus, kann der Inhalt wieder entnommen werden.

Dr. Gabriele Lankes: Hier haben wir auch zwei Garagen mit Rollcontainern für prothetische sowie implantologische Behandlungen. Die sind schnell vorbereitet und sorgen dafür, dass man alles Notwendige griffbereit hat. Das bedeutet weniger Einzelinstrumente und erleichtert sowohl die Vor- als auch die Nachbereitung.

Wie steht es in Ihrer Praxis um das vielzitierte Stichwort „Zukunftsfähigkeit“? Welche Möglichkeiten haben Sie, um weiter zu wachsen?

Dr. Gabriele Lankes: Aktuell haben wir zusätzlich zu unseren drei Behandlungszimmern noch ein Prophylaxezimmer. Es wäre aber ohne weiteres möglich, die Praxis bis auf sieben Zimmer auszubauen. Zusätzlich haben wir auch im Labor und im Abstellraum schon Anschlüsse in Böden und Wänden einbauen lassen.

Dr. Marc-André Winter: Dank dieser vorsorglichen Maßnahmen könnten wir bei Bedarf sogar auf neun Zimmer erweitern. Im Moment ist das zwar keinesfalls unsere Priorität, aber man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt. Man braucht immer noch etwas mehr Fläche, um weiter wachsen zu können – diese Flexibilität ist uns wichtig.

Was würden Sie sagen: Haben Sie in der Magirusstraße 32 Ihre Traumpraxis geschaffen? Und wie nehmen Ihre Patienten die neue Praxis an?

Dr. Gabriele Lankes: Ja, es ist tatsächlich unsere Traumpraxis geworden. Hier zu arbeiten, ist sehr erfüllend. Besonders schön ist es, dass die positive Atmosphäre auf das gesamte Team ausstrahlt. Wir alle arbeiten hier mit viel Freude – das spüren auch unsere Patienten. Viele der Patienten meinten bereits: „Hier sind alle am Strahlen!“

Dr. Marc-André Winter: Das kann ich so nur unterschreiben. Ich finde es besonders interessant, dass sich nicht nur die jüngeren, sondern auch ältere Patienten von den modernen Ideen in unserer Praxis besonders angesprochen fühlen. Da ist man schon stolz, in einer solchen Praxis arbeiten zu können, die ein so breites Patientenklientel anspricht.

Frau Dr. Lankes, Herr Dr. Winter, vielen Dank für das Gespräch!

Bilder: Lorenz Bee/Gandalf Hammerbacher

Text: Marius Urmann