
In Sendenhorst im Münsterland ist die neue Fachzahnarztpraxis von Dr. Martin Sachs entstanden – in einer ehemaligen Gewerbehalle, die zu diesem Zweck kernsaniert wurde. Auf knapp 400 Quadratmetern und zwei Ebenen wurde gemeinsam mit Plandent eine architektonisch außergewöhnliche Praxis realisiert. Welche Herausforderungen und Highlights hat das Projekt mit sich gebracht? Christiane Düpmann, Innenarchitektin und Praxisplanerin bei Plandent in Münster, berichtet im Interview, worauf es bei der Planung und Gestaltung ankam.
Frau Düpmann, mit welchem Anliegen ist Dr. Sachs auf Plandent zugekommen?
Dr. Sachs hat bereits vor einigen Jahren eine bestehende Praxis übernommen, die mit dem Wachstum seines Teams, Leistungsspektrums und Kundenstamms zunehmend an ihre räumlichen Grenzen gestoßen ist. Sie lag im Souterrain, war vergleichsweise klein, in die Jahre gekommen und weder für Patientinnen und Patienten noch für das Team besonders attraktiv. Gleichzeitig ist seine Praxis fachlich breit aufgestellt, mit Schwerpunkten in der Oralchirurgie, Parodontologie und einem starken Fokus auf Prophylaxe. Sein klares Ziel war es, sich zu vergrößern und gleichzeitig den hohen Anspruch an moderne, digitale Zahnmedizin auch räumlich sichtbar zu machen. Die Praxis sollte heller, großzügiger und funktionaler werden – mit mehr Platz für Behandlung und insbesondere für die Prophylaxe sowie besseren Bedingungen für das Team.
Die neue Praxis ist in einer bestehenden Gewerbehalle entstanden. Wie war Ihr erster Eindruck von der Immobilie?
Mein erster Eindruck war ambivalent: Den Charakter einer Gewerbehalle verbindet man nicht direkt mit einer Zahnarztpraxis. Gleichzeitig waren die Möglichkeiten sofort sichtbar: die offene Fläche, die Raumhöhe, das Potenzial für Licht von oben. Genau das hat das Projekt interessant gemacht.

Viel Tageslicht und großzügige Raumwirkung im Empfangsbereich
Welche Chancen und Herausforderungen bringt ein solches Gebäude mit sich?
Eine Gewerbehalle bietet zunächst einmal sehr viel Freiheit – insbesondere in Bezug auf Raumhöhen und offene Strukturen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass man die Flächen komplett neu denken muss.
Die neue Praxis sollte das breite und hochwertige Behandlungsspektrum abbilden. Dieser funktionale Anspruch musste in ein stimmiges Gesamtkonzept übersetzt werden, das sowohl effiziente Abläufe als auch eine angenehme Atmosphäre ermöglicht. In diesem Fall konnten wir die Großzügigkeit des Gebäudes gezielt nutzen, etwa durch die Umsetzung einer zweiten Ebene mit Galerie. Diese architektonische Besonderheit prägt die Praxis heute ganz wesentlich.
Was waren die zentralen planerischen Herausforderungen?
Eine der größten Herausforderungen waren die Brandschutzauflagen. Die Halle bestand ursprünglich aus zwei getrennten Mietflächen, die durch eine massive Brandschutzwand voneinander getrennt waren – und diese Wand musste erhalten bleiben. Das hatte direkte Auswirkungen auf den Grundriss, den wir entsprechend anpassen mussten.
Hinzu kamen Vorgaben wie notwendige Flächenfenster aus Brandschutzgründen. Solche Rahmenbedingungen greifen stark in die Planung ein und erfordern immer wieder flexible Lösungen.
Wie sind Sie grundsätzlich an die Grundrissplanung herangegangen?
Ausgangspunkt der Planung waren die spätere Nutzung innerhalb der Praxis: Wo wird behandelt? Wo arbeitet das Team? Wo kommen Patientinnen und Patienten an? Diese Bereiche galt es sinnvoll zu arrangieren. Die offene Struktur der Halle hat das begünstigt, weil wir Räume schaffen konnten, ohne in eine bestehende Struktur eingreifen zu müssen. Die einzige feste Größe war die Brandschutzwand in der Mitte – alles andere war gestaltbar.
Wie wurde die Praxis räumlich organisiert?
Die Praxis ist zweigeschossig angelegt, mit einer offenen Galerie auf der oberen Ebene. Die gesamte Behandlung findet auf etwa 300 Quadratmetern im Erdgeschoss statt, das großzügig und komplett stufenlos gestaltet ist. Damit ist es auch für mobilitätseingeschränkte Patientinnen und Patienten optimal zugänglich. Gerade in einer modernen Praxis ist das kein Zusatz mehr, sondern ein grundlegender Anspruch an die Planung. Außerdem gibt es einen separaten Beratungsraum, der bewusst für Gespräche auf Augenhöhe konzipiert wurde.
Im Obergeschoss befinden sich auf etwa 100 Quadratmetern ausschließlich Personalbereiche wie Sozialraum, Umkleiden und Büroflächen – bewusst getrennt vom Patientenbereich und mit eigenem Zugang. Diese klare Trennung sorgt für strukturierte Abläufe und schafft gleichzeitig einen echten Rückzugsort für das Team.

Die Galerieebene bündelt die Teamflächen und trennt Personal- und Patientenbereiche klar voneinander
Welche architektonischen Besonderheiten prägen die neue Praxis?
Ein großes Thema ist das Spiel mit Raumhöhe und Sichtachsen. Im Flurbereich haben wir sehr hohe Decken, die der Praxis eine besondere Großzügigkeit verleihen. Die Galerie und die vielen Dachflächenfenster sorgen zusätzlich für einen sehr schönen Lichteinfall von oben.
Die zweite Ebene wurde komplett neu als Holzkonstruktion eingezogen. Während der Bauphase haben wir gemeinsam entschieden, die Holzdecke sichtbar zu lassen – eine Entscheidung, die im Prozess entstanden ist und heute ganz wesentlich zur Atmosphäre der Praxis beiträgt. Das bringt eine warme, natürliche Komponente in die ansonsten eher klare Architektur.
Wie viel innenarchitektonische Arbeit steckt in dem Projekt?
Die innenarchitektonische Leistung liegt hier vor allem darin, die architektonischen Qualitäten des Gebäudes konsequent herauszuarbeiten und in ein stimmiges Gesamtkonzept zu übersetzen: Licht, Höhe und Sichtbeziehungen sind keine Zufälle, sondern das Ergebnis gezielter Entscheidungen.
Gestalterisch treffen kühle, industrielle Elemente – schwarze Metallgeländer, Türrahmen und Spots – auf warme Materialien wie das Holz der Decke oder den Sandton des Bodens. Diese bewusste Zurückhaltung schafft den richtigen Rahmen für gezielte Akzente: Die irisierenden Folien an den Behandlungszimmertüren entfalten ihre Wirkung gerade deshalb, weil der Rest der Praxis ruhig bleibt. Kontrast durch Reduktion. Der Wartebereich greift diese Haltung mit einer einladenden, ruhigen Gestaltung auf.
Ergänzt wird das Ambiente durch ein durchdachtes Lichtkonzept mit indirekter Beleuchtung, Lichtleisten und gezielt gesetzten Akzenten. In den Behandlungsräumen kommen zudem Tageslichtlampen zum Einsatz, um optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Zurückhaltung im Raumkonzept schafft Bühne für gezielte Akzente
Wie wurde der funktionale Anspruch der Praxis umgesetzt?
Die Praxis ist auf drei Behandler ausgelegt – Dr. Sachs selbst sowie zwei angestellte Zahnärztinnen. Der Stellenwert der Prophylaxe sollte sich auch räumlich klar ablesen lassen: Deshalb stehen neben fünf Behandlungszimmern drei separate Prophylaxe-Zimmer zur Verfügung. Ein zusätzliches Zimmer wurde bereits so vorbereitet, dass es bei Bedarf zukünftig als weiteres Behandlungszimmer genutzt werden kann. Diese Art von vorausschauender Planung ist gerade bei wachsenden Praxen ein wichtiger Aspekt.
Wie wichtig war das Thema Hygiene in der Planung?
Für Dr. Sachs war es sehr wichtig, hier einen klaren Neuanfang zu schaffen – insbesondere vor dem Hintergrund der vorherigen räumlichen Situation in einem Souterrain, dessen Substanz in die Jahre gekommen war. Entsprechend haben wir großen Wert auf hygienegerechte Materialien gelegt – etwa durchgehend wischfreundliche Vinylböden mit Hohlkehlen. Gleichzeitig konnten wir durch die Planung sicherstellen, dass alle aktuellen Anforderungen und Richtlinien zuverlässig eingehalten werden.

Der Aufbereitungsbereich erfüllt hohe Anforderungen an Hygiene und Funktionalität
Die Praxis ist technisch sehr modern ausgestattet. Worauf kam es dem Betreiber an?
Dr. Sachs hatte in seiner beruflichen Laufbahn immer wieder sehr gute Erfahrungen mit Geräten von Planmeca gemacht und deshalb bei der Ausstattung der neuen Praxis konsequent auf diesen Hersteller gesetzt. Der finnische Dentalgerätehersteller steht für ergonomisch durchdachte Geräte, langlebige Qualität, ein klares, zeitloses Design und moderne Technik, was perfekt zur neuen Praxis passt.
Sämtliche Behandlungszimmer wurden mit neuen „Compact i5“-Behandlungseinheiten mit Schwingbügelsystem ausgestattet. Hier hat Dr. Sachs moderne, ergonomische Lösungen gewählt, die sowohl den Behandelnden als auch den Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Das digitale Röntgengerät von Planmeca aus der „ProMax 3D“-Reihe ist mit umgezogen und wurde in die neue Praxis integriert. Auch das bewährte ProX-Kleinröntgengerät von Planmeca kommt in der neuen Praxis wieder zum Einsatz.
Wenn Sie auf das fertige Projekt blicken: Was ist für Sie das Besondere?
Für mich ist es die Transformation: Eine zunächst wenig einladende Gewerbehalle hat sich zu einer hellen, großzügigen und funktional sehr gut durchdachten Praxis gewandelt. Die Praxis bietet optimale Bedingungen für moderne Zahnmedizin und schafft gleichzeitig eine Umgebung, in der sich Team und Patienten wohlfühlen.
Was mich an diesem Projekt am meisten begeistert: Es ist keine Praxis, die trotz des Gebäudes funktioniert – sondern gerade deswegen. Die Höhe, das Licht, die Offenheit sind keine Zufälle, sondern konsequent genutzte Qualitäten. Das spürt man, wenn man in der Praxis steht.
Vielen Dank für das Gespräch!
Text: Maria Reitzki
Bilder: Plandent/Roland Borgmann